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Die hässlichste Stadt der Welt – Stuttgart kann auch anders!

Seit über einem Jahr wohne ich jetzt in Stuttgart. Ich kann also sagen, ich habe schon die eine oder andere Ecke gesehen. Und ja es ist mit Abstand die grauenvollste Stadt, in der ich bis jetzt gewohnt habe. Es gibt Straßen, Autos, reiche Menschen, arme Menschen und jede Menge Autos. Außerdem sprechen die Menschen hier ganz komisch. Wenn man Pech hat, versteht man sie einfach nicht 😉 Gut, Bremen, Bergen, Schwerin, Hildesheim – die norddeutschen Städte haben natürlich auch einen besonderen Flair.

Stuttgart Stadt – Es mag Leute die es mögen, ich finde, es sieht aus wie die Moloch

Aber natürlich gibt es auch schöne Seiten, auch wenn man sie suchen muss. So liegt Stuttgart an sich zwar in einem Kessel, das heißt aber auch, das ringsherum Berge liegen. Weinberge, um genau zu sein.

Weinberge in Stuttgarts Osten

Besonders sind vor allem die vielen alten Dörfer auf den Bergen, die sich um kleinere Herrenhäuser und Kapellen gebildet haben. Hier sind häufig gute Gaststuben zu finden, in denen man lokalen Wein und typisches Essen genießen kann.

Grabkapelle auf dem Württemberg, ebenfalls im Osten Stuttgarts

Ich muss also auch als Norddeutscher zugeben, Stuttgart hat auch schöne Seiten. Ich bin mir sicher, es wird noch der eine oder andere Beitrag über Suttgarter Besonderheiten folgen.

Bei mir geht’s rund

Weit weg von anderswo – äh, Norwegen

Alle freuen sich!
Alle freuen sich!

Puh, jetzt bin ich tatsächlich schon fast 2 Wochen nicht mehr in Norwegen. Es hat sich viel getan und ich habe viel erledigt. Jetzt kommt so langsam wieder Alltag in die Bude. In Kürze steht für mich ein Praktikum beim geologischen Dienst für Bremen an (ich halte euch auf dem Laufenden) und auch sonst bin ich gerade am Übergang zu was Neuem (auch davon kommt in Kürze mehr). Bei mir geht’s rund weiterlesen

Kulturschock in Norwegen

Norwegens Geburtstag

Der 17. Mai ist der Nationalfeiertag von Norwegen. Alle Norweger feiern hier die Unabhängigkeit von Dänemark und Schweden. Gerade in Bergen ist das etwas Besonderes. Die bergenser Corps laufen in einheitlichen Uniformen herum (je nach Corps) und trommeln verschiedene Melodien. Für mich ein Kulturschock.

Überall Flaggen. Große, kleine, mittelgroße.
Überall Flaggen. Große, kleine, mittelgroße.

Für mich als Deutschen war das Auftretten von so viel Nationalstolz etwas belastend. Bereits während des mittägigen Umzugs bekam ich schlechte Laune. Aber woran lag das?

Maschierende Kinder-Corps. Während die meisten trommelten waren andere mit Gewehren bewaffnet. Klar waren es nur symbolische Gewehre, aber die Geste zählt.
Maschierende Kinder-Corps. Während die meisten trommelten, waren andere mit Gewehren bewaffnet. Klar waren es nur symbolische Gewehre, aber die Geste zählt.
Eine kleine Kritik

Norwegen ist ein wunderbares Land, mit einer unglaublichen Natur, vielen schönen und klugen Menschen und erzkonservativ. Gesellschaftliche Veränderungen benötigen, gerade im Vergleich zu Deutschland, unglaublich lange. Ich denke man könnte sie in geologische Zeitskalen einordnen 😉
Sicherlich bin ich als Deutscher etwas vorbelastet, was das Tragen von militärischen Uniformen und das Veranstalten von Märschen angeht. Sollte Norwegen als eines der reichsten und fortschrittlichsten Länder nicht eher in die Zukunft schauen als in die Vergangenheit?

Wie kann man einen Staat feiern, der seine Augen vor den Massen an Flüchtlingen verschließt? Sich aus der EU rauszieht? Eine Monopol-Situation von wenigen Firmen im eigenen Land beführwortet?
Den Norwegern scheint nicht bewusst zu sein, weshalb es ihnen so gut geht – und das ist Öl. Dinge wie Umweltschutz, Klimawandel, humanitäre Katastrophen und Armut scheint es in Norwegen nicht zu geben. Stattdessen trifft man auf eine breite Front von Ignoranz. Das ist natürlich nur meine persönliche Meinung.
Und ich bin mir unschlüssig, ob ich sie zurecht habe. Denn in Norwegen trifft man auch auf eine großartige Toleranz jedem Gegenüber (natürlich nur in Norwegen).
Singende Schotten

Barnas dag

Egal ob homsexuell, schwarz, gelb, braun, violett, beeinträchtigt, links, rechts, vegan oder nicht – jeder wird akzeptiert. Das ist zumindest eine Sache, von der wir uns ein Scheibe abschneiden können! Und zugegeben: den Norwegern geht es wunderbar damit. Schaut man über die Geschehnisse der großen Welt hinweg, lässt die Politik einmal außen vor, ist Norwegen ein Traumland!

Barnas dag

Ich habe fast einen Monat gebraucht, um mir darüber klar zu werden, dass trotz meines Unverständnisses für den Nationalfeiertag der Norweger, meine Kritik recht arrogant ist. Es gab nämlich an jeder Ecke Eis, Hot Dogs und Süßigkeiten. Denn eigentlich feiern die Norwegen am 17. Mai ihre Kinder. Der Tag heißt auch Barnas dag – der Tag der Kinder.

 

Dovrefjell – Unter freiem Himmel

Abschied vom Dovrefjell

Während ich vollkommen durchgefroren im Bus nach Bergen sitze, lasse ich die letzten Tage im Dovrefjell Nationalpark an mir vorbei ziehen. Es war eine schöne Zeit: mit vielen Herausforderungen und unglaublichen Eindrücken. Meine baldige Abreise aus Norwegen trieb mich dazu, noch einmal auf große Entdeckungsreise zu gehen. Ich buchte also relativ spontan einen Bus in Richtung des Dovrefjell Nationalparks, um einfach mal wieder aus Bergen raus zu kommen.

Die Busverbindung startete um 16 Uhr aus Bergen und sollte knapp zwölf Stunden dauern. Das war lang, aber ich hatte bei einem Bus pro Tag nicht unbedingt eine Wahl. Die Rückfahrt würde ich eine Woche später um 1:30 Uhr antreten. Eine gewagte Zeit 😉

Zwei Tage vor der Abfahrt war ich mir nicht mehr ganz sicher, ob das ein kluge Idee gewesen war, diese Reise zu buchen. War ich überhaupt für so etwas richtig ausgerüstet? Würden über 20kg Gepäck nicht einfach nur viel zu schwer sein und ich überhaupt Spaß an der Sache haben?

Überhaupt nicht mehr überzeugt von meinem Plan stand ich dann aber pünktlich am Busterminal in Bergen und wartete auf den Bus. Der Busfahrer verstand kein einziges Wort Englisch. Na toll! Ich wurschtelte mich mit meinem Norwegisch durch und suchte mir einen ruhigen Fensterplatz. Der Bus war erstaunlich voll, aber typisch norwegisch saß niemand nebeneinander. Das ließ mir genügend Raum, mich auszustrecken und die ersten Stunden der Fahrt zu verschlafen.
Als ich aufwachte, wechselte gerade der Busfahrer. Wir standen in einem Fjord, die steilen Berghänge waren grün überwuchert, die Bergspitzen mit Schnee bedeckt und das Wasser des Fjords türkisblau. Meine Laune besserte sich unwillkürlich und dramatisch. Die restliche Fahrt war ich damit beschäftigt, mir die unterschiedlichsten Landschaften einzuprägen und die Aussicht zu genießen.
Kahle, schneebedeckte Flächen durchzogen von gewaltigen schwarzen Flüssen wechselten sich mit den schönsten Fjordlandschaften. Allein diese Aussicht machte alle meine Bedenken zunichte. Gegen Ende der Fahrt fiel ich in einen unruhigen Schlaf.

Der erste Tag – Mein weg nach Dombås

Der Bus stoppte und der inzwischen dritte Busfahrer schaute mich etwas vorwurfsvoll an. Ich stutzte. Woher wusste er, dass ich hier aussteigen musste? Ein absolutes Rätsel! Aber ich stieg total übermüdet in Dombås aus dem Bus und ordnete meine Gedanken. Ein kurzer Blick auf die Karte und dann stratzte ich einfach in die ungefähre Richtung, in der ich den Dovrefjell vermutete. Zugegeben, um mich herum waren überall Berge, aber ich erinnerte mich auf einer Übersichtskarte gesehen zu haben, dass ich in Richtung Nord-Ost gehen musste. Da die Sonne gerade aufging (es war trotzdem schweinekalt) ging ich einfach in ihre Richtung.
10 Stunden später stand ich irgendwo in der Pampa, ich hatte keine Ahnung, wo ich war, tierischen Hunger und war seit Stunden vollkommen alleine. Mein erstes Ziel hatte ich erreicht: den Zwischenbereich zwischen zwei norwegischen Nationalparks. Ich legte meine Sachen ab und genoß die Sonne bei 25°C mitten im Wald und frühstückte.

Nach dem ich einige Stunden in das Gebiet gewandert bin musste ich gegen Mittag eine Pause machen. Mitten im Wald lies ich mich auf einem Stein nieder und frühstückte in Ruhe.
Nachdem ich einige Stunden in das Gebiet gewandert war, musste ich gegen Mittag eine Pause machen. Mitten im Wald ließ ich mich auf einem Stein nieder und frühstückte in Ruhe.
In diesen noch recht feuchten Gebieten um den Dovrefjell herum blüten überall Heidelbeeren. Ihre kleinen rosa Blüten bedeckten flächendeckend den Boden.
In diesen noch recht feuchten Gebieten um den Dovrefjell herum wuchsen überall Heidelbeeren. Ihre kleinen rosa Blüten waren flächendeckend auf dem Boden verteilt.
Verwirrt im Wald

Nachdem ich weitere vier Stunden verwirrt und inzwischen etwas übermüdet durch den wirklich wunderschönen Wald gestolpert war (natürlich querfeldein), entschied ich mich nahe eines großen Flusses mein Zelt aufzuschlagen und hier zu schlafen. Ich wusste, dass ich am nächsten Tag den Fluss überqueren musste, um ins Gebiet des Dovrefjell zu kommen und hatte auf der Karte einige Brücken geortet. Ich hatte also mein Ziel für den nächsten Tag. Als ich mein Zelt aufgebaut, frisches Wasser von einer Quelle gezapft und mein Essen gekocht hatte, sank ich vollkommen zufrieden und müde in meinen Schlafsack und schlief bereits gegen 19 Uhr tief und fest.

Total übermüdet schlug ich bereits am frühen Abend mein Zelt irgendwo mitten im Wald auf. Das rauschen des nahe gelegenden Flusses schlief ich schnell und friedlich ein.
Total übermüdet schlug ich bereits am frühen Abend mein Zelt irgendwo mitten im Wald auf. Beim Rauschen des nahe gelegenden Flusses schlief ich schnell und friedlich ein.

Der zweite Tag – Aufbruch zum Dovrefjell

Ich erwachte am nächsten Tag schweißgebadet in meinem Zelt unter meiner Thermoplane. Die Sonne musste seit Stunden auf das Zelt knallen. Wie spät war es?
Es war bereits 11 Uhr. Ich hatte also über 15 Stunden geschlafen. Großartig! Mit unglaublichem Muskelkater in Rücken und Beinen machte ich mich daran meine Sachen zusammen zu raufen und zu frühstücken. Mein Weg führte mich zuerst einen Berg hoch. Denn ich suchte einen theoretisch ausgeschilderten Weg.

Nach meinem nunmehr 2 tägigem herum irren, fand ich einen Weg. Er sah zwar wenig vertrauenswürdig aus, aber ich wollte ankommen. Zumindest irgendwo.
Nach meinem nunmehr zwei tägigem Umherirren, fand ich meinen Weg. Er sah zwar wenig vertrauenswürdig aus, aber ich wollte ankommen. Zumindest irgendwo.

Jetzt hatte ich zwar meinen Weg gefunden, musste aber immer noch über den Fluss kommen, um in den Dovrefjell zu gelangen. Ich folgte also für einige Stunden diesem wunderbar ausgebautem Weg (zumindest für norwegische Verhältnisse: ein Trampelpfad). Irgendwann nahm das Rauschen des Flusses zu und ich stand vor einer meiner gewählten Brücken. Also vor Teilen zumindest…

Hier wollte ich eigentlich rüber. Leider kann ich keine 3 Meter springen, ein Skill den ich unbedingt ausbessern sollte.
Hier wollte ich eigentlich rüber. Leider kann ich keine drei Meter springen. Eine Fähigkeit, die ich unbedingt ausbessern sollte.

Es ging also weiter den Fluss entlang. Und dann nach vielen Stunden Umherirrens war sie da. Eine richtige Brücke!

Und dann war sie da. Eine schöne stabile Brücke! Meine Laune stieg ins unermessliche!
Und dann war sie da. Eine schöne stabile Brücke! Meine Laune stieg ins Unermessliche!

Mein Zugang zum Nationalpark. Von hieraus war mein Plan bei einer Hütte mein Handy aufzuladen und dann tiefer in das Gebiet zu wandern. Ich klopfte also kurzerhand bei einem der ansässigen Bauern und musste leider erfahren, dass sie auf ihren Hütten keinen Strom haben. Wunderbar! Dann geht es halt ohne Handy weiter.

Und dann war ich endlich im Dovrefjell. Ich wanderte noch gute zwei Stunden weiter bevor ich meinen Rucksack absetzte und mir die Gegend genauer anguckte. Großartig!
Ich wanderte noch gute zwei Stunden weiter, bevor ich meinen Rucksack absetzte und mir die Gegend genauer anguckte. Großartig!

Als ich abends mein Zelt aufschlug, frischte der Wind plötzlich auf und ich verkroch mich frierend. Und dann fing es an leicht zu regnen. Also kochte ich einfach im Zelt. Die erhoffte Wärme blieb zwar aus, aber das Essen wärmte mich gut durch und ich schlief gegen 21 Uhr tief und fest.

Gegen Abend fing es an etwas windiger zu werden und es vielen sogar ein paar Tropfen Regen. Also verlagerte ich meine Koch-Session ins Zelt. Reis und Linsen. Mhhh, lecker!
Reis und Linsen. Mhhh, lecker!

Ein neuer Tag und viel zu sehen

Ich erwachte gegen 10 Uhr. Die Sonne schien, es war jedoch bei weitem nicht so warm wie noch im Wald. Da ich viel geschwitzt hatte, entschloss ich mich im Bach neben meinem Zelt ein Bad zu nehmen. Das eiskalte Wasser war doch sehr, äh, aufweckend. Nachdem ich mich im Schlafsack wieder auf Normaltemperatur aufgewärmt hatte, packte ich meine Sachen und erkundete die Umgebung.

BergBrücke IIIEine einsame Hütte

Ich entschloss mich, den nächsten Hügel zu besteigen und mir die Landschaft von oben anzuschauen. Im Hinterkopf hatte ich den Gedanken, dass ich möglichst schnell mein Handy aufladen müsste, um im Falle eines Unfalls einen Notruf absetzen zu können. Ich hatte mal abgesehen von dem Bauern seit ich aus dem Bus ausgestiegen war niemanden mehr gesehen. Zwar fand ich jede Menge Spuren, die konnten aber viele Tage alt sein.

Von oben sieht die Welt einfach anders aus. Ich legte meine Sachen ab und aß einen kleinen Snack. Und weil ich sonst nichts zu tun hatte sonnte ich mich danach ausgiebig und genoß die absolute Stille. Hier oben hörte man noch nicht mal I nsekten(unterbrochen von einer 10 minütigen Flugübung). Nur der Wind, die Sonner und ich. Das ist Freiheit!
Von oben sieht die Welt einfach anders aus. Ich legte meine Sachen ab und aß einen kleinen Snack. Und weil ich sonst nichts zu tun hatte, sonnte ich mich danach ausgiebig und genoß die absolute Stille. Hier oben hörte man noch nicht mal Insekten (unterbrochen von einer 10 minütigen Flugübung). Nur der Wind, die Sonne und ich. Das ist Freiheit!
Wie auf den meisten Bergen in Norwegen ist auch hier ein Steinturm errichtet. Ob es nun reiner Eroberungswille, Messpunkt oder irgendeinen anderen Sinn erfüllt, er passt sich wunderbar in die Landschaft ein.
Wie auf den meisten Bergen in Norwegen ist auch hier ein Steinturm errichtet. Ob es nun der reine Eroberungswille ist, ein Messpunkt oder irgendeinen anderen Sinn erfüllt, er passt sich wunderbar in die Landschaft ein. Obenauf mein mitgebrachtes Geweih.
Beim Abstieg viel mir das erstemal die Pflanzenvielfalt auf. Sicherlich, es sind nur Bodendecker und dementsprechend nicht viel höher als zehn Zentimeter, aber in einer unglaublichen farbenpracht.
Beim Abstieg fiel mir das erste Mal die Pflanzenvielfalt auf. Sicherlich, es sind nur Bodendecker und dementsprechend nicht viel höher als zehn Zentimeter, aber in einer unglaublichen Farbenpracht.

Ich entschied mich zurück in Richtung Dombås aufzubrechen. Da ich nicht den gleichen Weg gehen wollte, den ich gekommen war, wählte ich einen nahe gelegenen Berg als Tagesziel. Vor mir lagen ein See, eine Sumpflandschaft und ein reißender Fluss. Abenteuer! Endlich!

Mein Ziel für meine dritte Nacht lag auf der anderen Seite eines weiteren Flusses, eines kleinen Sees und einer Sumpflandschaft. Aber für Abenteuer war ich ja gekommen.
Mein Ziel für die dritte Nacht. Aber für diese Abenteuer war ich ja gekommen.

Sechs Stunden später baute ich vollkommen fertig mein Zelt auf. Meine Schuhe und Socken waren vollkommen nass, mir war kalt und ich war total müde. Und so zufrieden wie schon lange nicht mehr. Ich war gut um den See herum gekommen, dann in die Sümpfe geraten und einige Male in tiefe Wasserlöcher gelaufen. Als ich mich dann bis zum Fluss durchgekämpft hatte, bemerkte ich, dass ich nicht mal in der Nähe einer Brücke oder Fuhrt war. Also versuchte ich, an verschiedenen Stellen durch den Fluss zu waten. Die Strömung war jedoch zu stark und das Wasser zu kühl. An einer flachen Stell war ich sogar barfuß fast bis zum anderen Ufer gekommen. Dann wurde der Fluss jedoch etwa drei Meter tief und auf Schwimmen hatte ich keine Lust 😛
Irgendwann sprang ich an einer flachen Stelle von Stein zu Stein (mit 20kg Gepäck) und als keine mehr kamen, lief ich einfach durch den Fluss. Ich hatte keine Lust mehr! Erstaunlicher Weise war ich anfangs niedergeschlagen. Kurze Zeit später hatte ich aber wieder blendende Laune und guckte bei einer Tasse warmen Tees und einer heißen Wärmflasche in meinem Schlafsack wohlgesonnen dem Sonnenuntergang entgegen.

Noch schnell das Zelt aufbauen und dann pennen gehen. Morgen muss ich zurück nach Dombas.
Noch schnell das Zelt aufbauen und dann warm werden.

Wildes Land

Ich brach mein Zelt recht früh ab, wusch mich und meine Sachen im nahe gelegenem Bach und machte mich auf, den Weg zurück nach Dombås zu finden. Es lagen immer noch etwa 15 Kilometer vor mir, die mich vor allem an vielen Schluchten und Wasserfällen vorbei führten.

Ein Wasserfall nach dem nächsten war in der Schlucht zu finden. Ein merkwürdiges Gefühl beschlich mich.
Ein Wasserfall nach dem nächsten war in der Schlucht zu finden. Ein merkwürdiges Gefühl beschlich mich.

An den Wasserfällen überkam mich ein seltsames Gefühl. Ich interpretierte es zuerst als Angst, war mir aber nicht sicher wovor. Dann wurde mir klar, dass ich Ehrfurcht vor den Landschaft entwickelt hatte. Ein sehr positives Gefühl, das mir die Verbundenheit zur Natur zeigte.
Nach einiges Zeit riss ich mich vom Anblick der stürzenden Wassermassen los und folgte einem Trampelfahrt, der mich wohlbehalten in die richtige Richtung führte.

Über die Hügelkette kam ich schnell voran. Die Aussicht ist atemberaubend!
Über die Hügelkette kam ich schnell voran. Die Aussicht war atemberaubend!
Mein Weg führte mich vorbei an den Bergen und wieder hinab ins Tal.
Mein Weg führte mich vorbei an Bergen und wieder hinab ins Tal.
In Dombas werde ich mit einem strahlendem Sonnenuntergang erwartet. Und einer heisen Dusche.
In Dombas wurde ich mit einem strahlendem Sonnenuntergang begrüßt. Und etwas später mit einer heisen Dusche.

Auf dem Zeltplatz

Abends erreichte ich dann einen Zeltplatz und entschloss mich, hier mein Lager für die letzten zwei Nächte aufzuschlagen. Meine Essensvorräte waren knapp geworden und ich freute mich darauf, eine heiße Dusche zu nehmen und meine Sachen zumindest grob zu waschen. Ich schlug also mein Zelt auf. Kurz bevor ich schlafen ging, schaute ich noch einmal ins Tal.

Hier lohnt es sich sogar, auf einem Zeltplatz zu sein. Ein Foto direkt aus meinem Zelt geschoßen.
Hier lohnt es sich sogar im Dorf zu zelten.

Nachdem ich mich ausreichend ausgeruht und mit frischen Obst und Gemüse gestärkt hatte, untersuchte ich die nähere Umgebung etwas. Aber nach der Zeit alleine in den Bergen störten mich alle Anzeichen von menschlichem Leben. Ich verschlief die meiste Zeit des Sonntags deshalb in der Sonne.

Montag packte ich recht früh meine sieben Sachen und wanderte wieder in den Wald. Ich wollte noch einmal das Alleinsein spüren. Als ich dann tief im Wald lag und die durch die Bäume scheinende Sonne genoss, wusste ich abschließend, was Waldeinsamkeit bedeutet. Ein wunderbares Gefühl!

Am letzten Tag nehme ich noch einmal einen tiefen Atemzug im Wald; ich weiß jetzt, was Waldeinsamkeit ist!
Am letzten Tag nahm ich noch einmal einen tiefen Atemzug im Wald; meine Wanderung im Dovrefjell Nationalpark lag hinter, eine lange Busfahrt vor mir.

Resümee

Wie ein weiser Mann mir per WhatsApp mitteilte, es ist eine gefährliche Sache, aus deiner Haustür hinauszugehen. Du betritts die Straße und wenn du nicht auf deine Füße achtest, kannst du nie wissen, wohin sie dich tragen. Und doch ist es eine lohnenswerte Erfahrung, ohne große Planung, mit viel Zeit und gutem Wetter einmal einfach draußen zu sein. Man wird sein eigener Freund. Diskutiert, streitet und debattiert mit sich selbst. Und man findet Grenzen. Dieses Abenteuer wird definitiv wiederholt werden.

Wenn euch der Artikel gefallen hat und ihr auf dem Laufenden bleiben wollt, guckt doch mal bei Facebook oder Twitter vorbei. Auch Youtube könnte sich in naher Zukunft lohnen. Und es gibt ein Kommentarfeld. Da könnt ihr euch vollkommen austoben. Kritik, Zweifel, Fragen…

 

Dovrefjell Nationalpark

Ich bin nach Norwegen gekommen um zu studieren, neue Leute kennen zu lernen und Wandern zu gehen. Und ich wollte eine Foto Tour machen. Diese steht als einziges noch aus. Also habe ich mich entschlossen heute für ein paar Tage in den Dovrefjell Nationalpark zu fahren.

Zwischen Sträuchern und Moschusochsen

Mein erster Plan war eigentlich noch einmal nach Finse zu fahren. Leider liegen dort momentan noch 2-3 Meter Schnee und es ist recht kalt. Nicht so perfekt um eine lange Zelt Tour zu machen. Natürlich ist auch der Dovrefjell nicht der wärmste Ort unter der Sonne, aber ich erhoffe mir Temperaturen zwischen -4°C und 15°C. Also eigentlich die perfekte Wandertemperatur. Da ich absolut keine Ahnung habe, was auf mich zukommt, bin ich erstmal auf alles vorbereitet.

Weiteflächen, Steine und Gras. Der Dovrefjell. (Wikipedia)

Da ich mit dem Bus von Bergen unterwegs bin, werde ich morgens recht früh starten (ich komme um 4 Uhr an). Zum Glück geht die Sonne inzwischen kaum noch unter, ich habe also zumindest genug Licht. Mein Startpunkt wird Dombås sein, ein etwas größeres Dorf am südlichen Zipfel des Parks. Von hier werde ich in einer Woche auch wieder abreisen. Dann aber hoffentlich mit hundert guten Fotos von Moschusochsen, Steinadlern, Luchsen, Rentieren und Wölfen. Mit etwas Glück und hoffentlich genug Akku wird es dann im Hauptartikel auch einige kleinere Videos geben. Mal schauen, was ich so schaffe beziehungsweise die Kamera.

9 Dinge aus Bergen, die ich vermissen werde, wenn ich zurück in Deutschland bin

Jetzt wohne ich schon seit über 5 Monaten in Bergen! Meine Zeit hier neigt sich langsam dem Ende entgegen. Und da kommen natürlich die Gedanken, was ich wohl am meisten vermissen werde. Hier also die 9 Dinge, die ich am meisten vermissen werde!

1. 10 Minuten zum Wasser, 5 Minuten in die Berge

Bergen liegt wirklich traumhaft gelegen. Die die Innenstadt ist fast komplett umgeben von Hafen und Parks, die viele Sitz- und Sonnenplätze bieten (falls die Sonne mal scheint). Gerade jetzt im Sommer treffen sich alle Studenten dort zum Grillen und Schwatzen.

2. Sieben Berge

Berge

Immer wenn einem die Uni oder die Touristen so richtig auf die Nerven gehen, kann man in die Berge flüchten. Bergen ist umgeben von sieben (es sind definitiv mehr) Bergen. Alle lohnen sich, die schönsten sind jedoch auch die höchsten. Von hier sieht man einfach am meisten. Hat man die Stadtgrenze erreicht, dauert es nochmal 15 Minuten, bis man an abgelegenere Orte kommt. Nach einer Stunde ist man spätestens alleine. Und hat Ruhe!

3. Mit dem Bus ans Meer

Meer

Wenn die Bergen mal nicht mehr reichen setzt man sich einfach für 1 Stunde in den Bus und fährt ans Meer. Es gibt zwar keine typischen Sandstrände, dafür eine unvergleichbare Küstenlandschaft.

4. Brunost und Waffeln

Eine besondere Tradition in Norwegen ist Waffeln mit Beeren und Brunost zu essen. Brunost ist ein karamelartiger brauner Käse. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber zusammen mit Waffeln sehr lecker!

5. Die Norweger und andere Spezialitäten

Ist man in einem fremden Land ist alles erstmal irgendwie anders. Und da sind natürlich Leute um einen herum eine großen Art Ersatzfamilie. Nachdem man sich an die Eigenarten der Norweger gewöhnt hat (und die der anderen Erasmusmenschen), lässt sich gut das ein oder andere Bier mit ihnen trinken, ein Pläuschen halten oder zusammen kochen. Norweger lieben Pizza!

6. Schnee

Schnee

Klar, Schnee gibt es auch bei uns. Aber der norwegische Winter war schon etwas besonderes.

7. Quizabende

Ein unglaublich gute, abendfüllende Aktivität sind Quiznights. Man kommt in 4-5 Teams zusammen und muss Fragen über Gott und die Welt beantworten. Ich kann nicht behaupten, dass wir je gewonnen hätten, aber wer weiß schon, wie die norwegische Premierministerin aussieht?

8. Kochabende

Kochen

In einer Kneipe ein oder zwei Bier zu trinken kostet normalerweise genau so viel wie in Deutschland, nur für eben 5 Freunde. Um trotzdem Leute kennen zu lernen und Kontakt zu halten hat sich bei uns eine sehr schöne, recht regelmäßige Zusammen-Kochen-Kultur entwickelt. Neben Pizza- und Waffelabenden gab es auch zwischen durch gesunde Sachen: Nudeln mit Tomatensoße zum Beispiel.

9. Betrunkene Diskussionen über das (Bildungs-/Rechts-/Politik- und Gesellschafts-) System

Diskussion
Was ich an Punkt 8 am meisten vermissen werde sind die Diskussion über Norwegen, Deutschland, Australien und Slowenien. Angeheizt von dem ein oder anderen Gin planten wir hier die Zukunft. So hab ich mir Erasmus vorgestellt 😉

 

Das waren die 9 Dinge, die ich am meisten vermissen werde. Was würdet ihr am meisten vermissen?

 

Explodierter Hefekloß mit Beerenfüllung

Der Hefekloß

Heute gibt es was Spezielles: einen Hefekloß! Ich hab ein bisschen gebraucht, bis ich mich an diese Dinger gewagt habe und, wie ich heute erlebt habe, zurecht. Alles fängt ganz einfach an. Man macht einen Hefeteig:

  • Hefe + Zucker + lauwarmes Wasser (oder Milch, Hafermilch, etc.)
    • in ein Gefäß tun und 10 – 15 min wachsen lassen
  • Mehl in eine Schüssel füllen, Zucker und eine gute Prise Salz dazu und schon mal vermischen
    • man kann auch noch etwas Zitronenschale dazu geben oder andere Gewürze, wie man mag
  • Alles zusammen rühren und gut durchkneten, dann 1-2h aufgehen lassen
  • Danach nochmals durchkneten und ruhen lassen
    • diesen Schritt kann man beliebig oft wiederholen, die Konsistenz wird mit jedem Kneten besser!
  • Runde Teigbälle formen

Klöße Reihe

Gut. Bis hierhin ist es echt einfach. Klar, man kann am Hefeteig verzweifeln, Mehl mit Backpulver verwechseln oder Salz durch Crystal Meth ersetzen (wenn man es denn zufälligerweise in der Küche rumliegen hat). Kommen wir doch einfach direkt zum schwierigen Part: dem Garen.
Die Klöße werden in einen Topf gelegt.  Aber nicht ins Wasser, sondern auf einen erhöhten Untersatz. Dafür gibt es normalerweise einen Dampfgareinsatz. Da ich mich aber in Norwegen in einer WG befinde und keine Ahnung habe, ob die Norweger sowas überhaupt kennen (tun sie nicht), hab ich einfach mit einigen gefundenen Gegenständen improvisiert. Zum einen das Gestell eines Schokoladenfondue, zum anderen ein kaputtes Sieb, bei dem der Griff fehlt. Zum Testen musste ein leerer Heferohling herhalten.

Topf

Der erste Durchgang verlief noch einigermaßen gut. Der Kloß war saftig und essbar (ungefähr wie das warme innere eines Brötchen). Aber diese Klöße sollten mit geilen Sachen gefüllt sein – Obst! Da ich gerade nur über tiefgefrorene Beeren verfüge, mussten diese eben herhalten. Also ab damit in den Batzen. Der Hefeteig war nicht ganz damit einverstanden, so unkonventionell gefüllt zu werden und entließ an allen Enden und Kanten Obstsaft, der ALLES rot färbte.

Füllung

Ab damit in den Topf und 20 Minuten garen lassen (±5 min). In der Zwischenzeit verspeiste ich den fertigen Rohling (was ein Widerspruch in sich ist). Essbar sind sie! Lecker!

kloß I

Um zu testen, ob der gefüllte Teig schon fertig war, piekste ich vorsichtig mit der Gabel in ihn. Das war ein Fehler! Heißer Beerensaft sprudelte in Strömen aus ihm heraus. Aber er war fertig. Merke: Gabeln eignen sich nur bedingt bei der Arbeit mit einem gefüllten Hefekloß. Also, schnell den zweiten rein…

kloß II

Boom schakalaka! Den hat es noch im Topf zer…hauen? Naja, auf jedenfalls war überall Beerenbluuuuut. Überall!
Guten Appetit!

“Blut! Blut!
Blut, das muss spritzen meterweit
Blut! Blut!
Blut, das muss tränken des Feindes Kleid!
Blut! Blut!
Blut das muss spritzen meterweit!
Blut! Blut!
Blut in alle Ewigkeit!”

Grinzold der Spalter

      (Aus Rumo und die Wunder im Dunkeln, Walter Moers)